
Die Einladung zum Havanna Film Festival war für uns eine grosse ÿberaschung, wir dachten wir seien in der Zensur hängengeblieben. Nachdem wir uns von Zürich gesehen immer nach Osten bewegt hatten, war dies nun der erste Ausflug in den Westen. Kuba war für mich schon immer ein Traum, den ich mir erfüllen wollte, solange Fidel noch am Steuer sitzt. Es war sehr beeindruckend zu sehen, wie die Leute in Kuba in riesigen Schlangen vor dem Kino anstehen, um Filme zu sehen. In Havanna gibt es etwa 200 Kinos und ein lebhaftes Publikum, wenn es ihnen gefällt bleiben sie, sonst laufen sie heraus, teuer ist es nicht: Der Eintritt kostet 2 Nacionales, was etwa 10 Rappen entspricht, jeder kann sich also Kino leisten. Unser Film wurde in der Schweizer Filmreihe gezeigt, u.a. zusammen mit “La vraie vie est allieurs” und “Die Herbstzeitlosen”. Wir hatten ein grosses altes Kino, das auf etwa 10 Grad heruntergekühlt wurde. Nachdem der Moderator meinen Lebenslauf vorgelesen hatte, wurde ich auf die Bühne geholt und versuchte den Zuschauern auf Spanisch klarzumachen, dass der Film am Anfang ein bisschen experimentell und schnell ist, dass er sich danach aber beruhigt; ich wollte nicht dass alle bereits nach 5 Minuten den Saal verlassen. Nach einem kühlen Ron con Limon war die Vorstellung aus und o Wunder hatten nur sehr wenige den Saal während des Films verlassen. Wir verteilten noch einige Soundtracks, die weggingen wie nirgends sonst und freuten uns über den Eindruck, den der Film bei den doch sehr emotionalen Kubanern hinterlassen hatte.
Neben einer Einladung vom Botschafter hatten wir genug Zeit uns am Strand zu erholen und am Ende noch nach San Antonio zu fahren, zur Internationalen Filmschule, wo wir den Film noch einmal zeigen durften. Am Ende verteilten wir noch allen unsere restlichen Poster und freuten uns über die zahlreichen Fragen.
Mit dem Ausflug nach Kuba ging für mich ein extrem intensives Jahr zu Ende. Vor einem Jahr, sass ich noch am Schnittplatz und der Film war noch nicht einmal beendet. Was wir alles erlebt haben, seit der Film an der Berlinale gezeigt wurde, ist unglaublich. Es macht mich sehr glücklich, dass der Film auf der ganzen Welt gezeigt wurde und in der Schweiz so viele Zuschauer gefunden hat. Doch um realistisch zu bleiben: Genauso wie ein Film plötzlich von alleine funktioniert, hätte die Geschichte von diesem Film auch genau vor einem Jahr enden können, als ich den letzten Schnitt gemacht habe. Deswegen bleiben wir alle auf dem Boden und arbeiten intensiv an unseren neuen Projekten. Auf dass auch 2008 ein erfreuliches Jahr wird.
Ich wünsche euch allen einen guten Start ins neue Jahr.
